Talent unnötig
Diese Quote ist wirklich traumhaft. Eine Arbeitslosigkeit von 80 Prozent dürfte sogar Screen-Designern oder Gehirnchirurgen in den strukturschwächsten Gemeinden Mecklenburg-Vorpommerns kaum gelingen. Unter Schauspielern in Hollywood, dem Babelsberg Kaliforniens, ist sie dagegen die goldene Regel.
Doch so what? Kümmern tut es keinen. Wie Heuschreckenschwärme fallen täglich Hunderte neuer Jungmimen in die Stadt ein und bereiten sich und der Stadtverwaltung zunehmend Probleme. Während der Bürgermeister ganze Straßenzüge mit Parkverbotsschildern für Schauspieler zupflastern lässt, stecken sich die Sternchen Korken in die Münder und träumen von einem Oskar.
So auch Marcus Jung, ein 34jähriger Möchtegern-Pitt aus Deutschland. Qualifiziert durch Schreinerlehre und ersten Gehversuchen auf Pfälzer Provinzbrettern, fühlt er sich gereift für ganz großes Kino 'Made in America'.
"Ich kann nix, also gehe ich nach Hollywood", so beschreibt ein Schauspiellehrer ein Stückchen amerikanischer Kultur. Kultur, die Marcus schnell verinnerlicht hat. Auf dem Fließband der Traumfabrik rasiert er sich die Brust und besucht Kurse zur Vorbereitung auf Kurse zur Vorbereitung für ein eventuelles Vorsprechen. Erfolglos. Nach drei Jahren ohne Engagement hat es die blauäugige Knallcharge aus Herzheim dann doch geschafft. Die erste tragende Rolle. Und was für ein Durchbruch!
In der ZDF Reportage "Einmal Star in Hollywood" darf er sich selbst darstellen. An seinem tristen Beispiel führt die Autorin Malgoscha Gebel das Scheitern deutscher Nachwuchsschauspieler in der Fremde vor.
So unendlich naiv wie er dabei agiert, weiß der Zuschauer nicht, ob er einer Komödie oder Tragödie zusieht. Freut sich doch der Tropf, "jetzt bin ich nur zwei Meter vom roten Teppich entfernt. Ich seh das mal als gutes Zeichen, dass ich nach drei Jahren sehr weit in meinem Leben gekommen bin", und zieht sogleich ein beeindruckendes Resümee seines Lebens, "34 Jahre für zwei Sätze und sieben Worte."
Und die sogar fast ohne Akzent!