Stadtneurosen zwischen Steaks und wahrem Leben
"Also gut was macht das Leben lebenswert? Groucho Marx, Willie Mays, der zweite Satz der Jupiter Symphonie, Louis Armstrong, die Aufnahme von Potatohead Blues, schwedische Filme, die "Erziehung des Herzens" von Flaubert, Marlon Brando, Frank Sinatra, die unglaublichen Äpfel und Birnen von Cezanne, die Hummerkrabben bei Sam Wo, Tracey Gesicht..."
Dieses Zitat aus "Manhattan" bringt die Welt Woody Allens auf den Punkt. Es ist eine Uptown-Manhattan Welt, die zwischen Galerie und Museumsbesuchen, zwischen Literatur, Essengehen und Kinobesuchen versucht, die eigene Midlife-Crisis in den Griff zu bekommen, und das möglichst mit dem Humor der Marx Brothers und der Tiefe eines Ingmar Bergmann.
Für den WDR bereiste Matthias Kremin die Originalschauplätze des Regisseurs in New York. In parallel montierten Bildern werden Filmszenen und Realität verglichen und man sieht: Kino und wahres Leben unterscheiden sich kaum.
"Ich hasse die Wirklichkeit, aber sie ist der einzige Ort, wo man ein vernünftiges Steak bekommt."
16.000 Restaurants bekochen die New Yorker, und viele davon spielen wichtige Rollen in Allens Filmen. Kremin besuchte "Elaines", den Ausgangspunkt von "Manhattan", wo täglich ein Tisch für den Künstler frei gehalten wird. Oder "Carnegie", das wohl bekannteste Deli. Seit den Dreharbeiten zu "Broadway Danny Rose" wird dort ein riesiges "Danny Rose Special Sandwich" serviert.
"Merkst du nicht, wie der Rest des Landes nach New York stiert, als wäre wir alle linksradikalkommunistischjüdischhomosexuelle Pornographen?...dass das Land nicht bereit ist, sich hinter die Stadt New York zu stellen, ist nichts als Antisemitismus..."
Der Satz ist Ironie pur. Und nur Woody Allen, der als Allen Stewart Königsberg im jüdischen Teil Brooklyns aufgewachsen ist, kann sich so über den Verfolgungswahn amerikanischer Juden lustig machen. Mit zwei Millionen Juden ist New York die größte jüdische Siedlung außerhalb Israels. Matthias Kremin interviewte Mitglieder dieser Gemeinde zu Woody Allen, zu ihrer Kritik an ihm und zum speziellen jüdischen Witz.
"Als ich ein Kind war, hörte man die berühmte Popmusik von Benny Goodman."
Allens Liebe zur Jazzmusik ist legendär. Für die montägliche Session mit dem "New Orleans Funeral and Ragtime Orchestra" ließ er sogar einmal die Oscar-Verleihung ausfallen. In "Stardust Memories" spielte zur Begrüßung im Himmel die wunderbare Duke-Ellington-Band auf, und diese Musiker schwärmen von ihrer Beziehung zu dem Filmemacher und seiner Leidenschaft zu den Swing-Klassikern, die in nahezu allen seinen Filmen zu hören sind.
"Ich kann mir vorstellen, dass in einigen Jahren die Leute den einzig wirklichen Wert meiner Filme in den Schauplätzen sehen."
Dass fast alle Filme des Stadtneurotikers in New York spielen, ist bekannt. Doch es ist nicht ganz New York. Es ist noch nicht einmal ganz Manhattan. Es ist eine Gesellschaft, die sich in der Upper East Side, der Upper West Side und in Brooklyn Hights abspielt. Die Dokumentation besucht die Drehorte und erzählt ihre spannenden Geschichten. Wer wissen möchte, was sowohl das Hotel 17, als auch der Late-Night-Talkmaster Conan OBrian über Woody Allen erzählen können, der schaut sich "WOODYS WELT" an. Wer einen Liebeserklärung an New York sehen will, der tut dies sowieso.