Für Geld machen wir alles, auch eine schlechte Show

Kennen Sie John Carpenter? Natürlich werden Sie sagen. Dass ist doch der mit dem Horror im Kino. Richtig, aber es gibt noch einen zweiten John Carpenter. Und dieser Carpenter ist das Vorbild für Abertausende Deutsche, auch wenn sie es wohl gar nicht wissen. Denn der Amerikaner hat geschafft, wovon hierzulande noch alle träumen. John Carpenter war der erste, der bei "Who wants to be a millionaire?" eine Million Dollar, den Hauptgewinn, kassieren konnte. Seitdem füttert er Hund und Ehefrau nur noch mit Steaks und entführte beide nach Paris. Ein Schicksal , dass sich viele erhoffen. Denn vor, auf und hinter dem Bildschirm ist die große Gier ausgebrochen.

Millionen Deutschen zocken mittlerweile an der Börse, obwohl sie von Hausse und Baisse nicht die Bohne verstehen. Da ist es angenehm, wenn das Fernsehen zeigt, dass auch der größte Doofkoop Riesengewinne machen kann, solange er es versteht, Regionen von Religionen zu unterscheiden, oder weiß, dass die Elbe ein Fluss und nicht der Bundeskanzler ist.

Ohne Moos ist gar nichts mehr los auf dem Bildschirm und die Knete gibt es auf allen Kanälen. Da sind die "Quiz Show" und "Glücksspirale" auf SAT 1, bei RTL wird der zukünftige Krösus ebenfalls in zwei Sendungen gesucht. Und die ganz unermüdlichen haben vormittags und noch spätnachts beim schmuddeligen RTL 2 die Chance auf den Kies.

Die Quizschwemme läuft weltweit, in den USA natürlich am besten. "Who wants to be a millionaire?", das Original der identischen RTL-Sendung "Wer wird Millionär?" brachte den Sender ABC auf den Spitzenplatz aller Zuschauerstatistiken. Freuen konnte sich darüber ABC-Besitzer Disney. Die Aktien des Unterhaltungskonzerns stiegen wegen der Fernseheinnahmen gleich um 50 Prozent.

45 Jahre nach Robert Lembkes heiterem Beruferaten "Was bin ich?" hat das Fernsehen endgültig die Rätselshow wieder entdeckt. Über vier lange Fernsehjahrzehnte sorgte die Schweinderl-Sendung mit der aberwitzigen Gewinnsumme von 50,- DM pro Runde für Einschaltquoten von 40-50 Prozent. Genau die Quote, die jetzt auch Günter Jauch einfährt (am 19.11. 41%), und die selbst Fußball-Länderspiele selten noch erreichen. Passend zur Flaute der unerträglichen Labershows, die alltäglich das Programm verstopfen, setzen die Fernsehmacher nun auf Geld und Spiele, um das Publikum zu erreichen. Denn die Rätsel-Shows haben einen gewaltigen Vorteil gegenüber anderen Formaten. Sie kosten schlichtweg fast nichts. Zwar sahnt Glückspilz Günter Jauch mit 12 Millionen DM im Jahr den absoluten Volltreffer ab, doch solche Summen und die Auszahlung der Kandidatengewinne werden aus einem großen Topf gezahlt, in den das Geld unaufhörlich fließt. Angelockt durch simpelste Fragen, bewerben sich stündlich Tausende möglicher Kandidaten und wählen dazu die teuren 0190-Nummern. Kassieren tun in diesem Fall die Fernsehsender und nicht dubiose Sexfirmen auf den Bahamas. Solange Ratefüchse wie Mütze und Co also nicht die Millionengewinne abgreifen, können sie lächelnd ausbezahlt werden, und das praktisch von ihrem eigenen Geld. Und sollte einmal der Super-Gau eintreten, und tatsächlich, wie am Montag in Großbritannien geschehen, ein frischer Millionär vom Fernsehstapel laufen, springt eine Versicherung ein, um den "Schadensfall" zu regulieren.

Da ist es kein Wunder, dass weltweit die Quizshows zum Dukaten-esel der Sendeanstalten mutieren. In Brasilien wuchs SBT , wegen Shows wie "Topa tudo por dinheiro" ("Für Geld mache ich alles") hinter Globo zur zweitgrößten Anstalt des Landes.

Nun hat auch das ZDF, der rüstige Rentnersender, sein Ticket für diesen Zug zum Reichtum gelöst. "Ca$h – Das eine Million Mark-Quiz" ist der originelle Titel der Monetenshow, die seit Dienstag ausgestrahlt wird, moderieret vom Lotto-Luder Ulla Kock am Brink. Angefangen als Wetterfee, sammelte sie später Dominaerfahrung in der "100.00 Mark Show" und begeisterte als professionelle Heulsuse bei "Verzeih mir". Nach dem Crash mit einer eigenen Show auf Pro 7, gibt es nun also Ca$h.

Dass sie die Prasserei beherrscht, beweist die "Blonde mit Hirn", so der Branchenspott, bereits in der ARD mit der großen Lottoshow. Über 25 Millionen Mark habe sie bereits unter das Volk geworfen, rühmt sie sich selbst. Doch Dienstagabend standen die bräsigen Kandidaten am Ende mit leeren Händen da. Als wären Finanzbeamte und Hausfrauen in die Enterprise gebeamt worden, so fassungslos hielten sie sich an der Raumschiffkulisse fest, gescheitert an Fragen nach Hera Lind und Lothar Matthäus.

Als Trost blieb ihnen nur geheimnisvoller Spott zum Abschied: "Grüßen Sie daheim Ihre Orchideen!".