Der Daum
geht weiter
82 lange
Tage blieb Christoph Daum verschwunden. Nach seinem Frisörbesuch,
bei dem er sich eigentlich nur die Pechsträhne abschneiden lassen
wollte, war er abgetaucht nach Florida. So viel war immer bekannt. Viel
mehr aber auch nicht.
Jedenfalls nicht bis zur großen Pressekonferenz am vergangenen
Freitag. Wie die Lemminge schwärmten Heerscharen von Sportjournalisten
in ein Kölner Hotel und wurden Zeugen einer eher merk- als denkwürdigen
Veranstaltung.
Hatten die einen eventuell ein Tribunal erwartet, andere eine Zirkusveran-staltung,
so bekam nun jeder von allem ein kleines Körnchen serviert. Auch
von der Wahrheit.
Ja, er habe Kokain genommen, versuchte der ehemalige Fast-Bundestrainer
Klartext zu reden. Allerdings nur "gelegentlich" und "im
privaten Kreis", von einer Sucht könne folglich keine Rede
sein. Dass die in seinem Haar gemes-sene Werte allerdings einen Konsum
nahelegen, der alle Bundesligaspieler für viele Jahre zur Loveparade
geschickt hätte, sei für Daum ohne Aussagekraft.
Doch leider hatte die Presse ihre Federn nicht scharf gewetzt. Im Gegenteil:
Wie Hausfrauen auf Sonderangebote stürzten sie sich auf ihren neuen
alten Daum und schienen Gefallen an ihm zu finden. Genauso Daum.
Vom entsetzlich taubenblauen Anzug nun fesch und flott umgekleidet in
Sack und Asche, verkündigte er ob des charmanten Geplauders sogar
neue Ambiti-onen auf den Posten des Nationaltrainers.
Wenn da mal einer nicht schon wieder mit Zitronen handelt...?